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In der Welt der Administration gibt es ein Sprichwort:

“Admins lassen sich in zwei Kategorien einteilen: die, die noch nicht Backups machen, und die, die bereits Backups machen.”

Du gehst in ein MSP (Outsourcing), und dort sind Kundendaten heilig. Wenn ein Server ausfällt — ist das schlimm, aber wenn Daten verloren gehen und nicht wiederhergestellt werden können — das sind Klagen und Bankrott. Lass uns den “Goldstandard” durchgehen und ihn in deinem Labor umsetzen.

Teil 1. Theorie: Die 3-2-1-Regel

Das ist das Fundament, das du auswendig kennen musst. Wenn du gefragt wirst: “Was ist der richtige Weg, Backups zu machen?”, antwortest du mit dieser Formel. Kernpunkt der Regel: Um ruhig schlafen zu können, musst du haben:

  • 3 Kopien der Daten (1 Hauptkopie, mit der gearbeitet wird + 2 Reservekopien).
  • 2 verschiedene Datenträger (z.B. Dateien auf der Serverfestplatte, Kopie auf NAS-Speicher oder Band). Warum? Wenn ein Verschlüsselungsvirus das Dateisystem des Servers zerstört, soll er nicht an das NAS gelangen.
  • 1 Kopie außerhalb des Büros (Offsite). Das ist die Cloud (Azure/AWS) oder eine physische Festplatte, die der Direktor mit nach Hause nimmt. Warum? Für den Fall eines Brandes, einer Überschwemmung oder eines Diebstahls der Server aus dem Büro. Modernes Zusatz (3-2-1-1-0): Heutzutage wird eine unveränderliche (Immutable) Kopie hinzugefügt. Das ist ein Backup, das für X Tage nicht gelöscht oder überschrieben werden kann, selbst wenn du Super-Admin bist. Das ist der einzige Schutz vor Hackern, die die Admin-Konsole geknackt haben.

Teil 2. Tools: Veeam Backup & Replication

In Österreich und Deutschland in der Windows/VMware-Umgebung ist Veeam (ausgesprochen “Wim”) de-facto Standard.

  • Das ist der “Mercedes” in der Welt der Backups.
  • Er kann eine gesamte virtuelle Maschine sichern. Wenn der Server stirbt, drückst du auf einen Knopf und in 2 Minuten läuft er direkt aus dem Backup.
  • Für Vorstellungsgespräche: Einfach sagen: “Ich kenne die 3-2-1-Theorie und habe gehört, dass Veeam der Industriestandard ist. In meinem Labor habe ich mit Windows Server Backup geübt, um das Prinzip zu verstehen.”

Teil 3. Praxis: Dein erstes Disaster Recovery

Wir installieren kein schweres Veeam auf VirtualBox (es braucht eine SQL-Datenbank und viel RAM). Wir verwenden das integrierte Tool Windows Server Backup. Es ist einfach, zuverlässig und überall verfügbar. Szenario: Du hast versehentlich einen Ordner mit wichtigen Dokumenten gelöscht. Du musst ihn wiederherstellen.

Schritt 1: “Repository” vorbereiten (Backup Repository)

Von Laufwerk C: auf Laufwerk C: zu sichern ist unsinnig (wenn das Laufwerk ausfällt, geht alles verloren). Wir brauchen ein zweites Laufwerk.

  1. Windows Server ausschalten.
  2. In VirtualBox die Server-Einstellungen öffnen Datenträger (Storage).
  3. Auf das Symbol “Festplatte hinzufügen” klicken (neben dem SATA-Controller).
  4. Neue Festplatte erstellen (Create):
    • Größe: 10 GB (reicht für den Test).
    • Typ: VDI.
  5. Server starten.
  6. In Windows Win + X Datenträgerverwaltung (Disk Management) drücken.
  7. Er bittet darum, den Datenträger zu initialisieren (GPT) OK.
  8. Ein einfaches Volume erstellen (New Simple Volume) Buchstaben B: (Backup) vergeben.

Schritt 2: “Windows Server Backup” installieren

Diese Funktion ist standardmäßig deaktiviert.

  1. Server Manager öffnen Add Roles and Features.
  2. Next bis zum Abschnitt Features klicken. Nicht mit Roles verwechseln!
  3. In der Liste Windows Server Backup (unten) finden.
  4. Haken setzen Install.

Schritt 3: Backup erstellen (Backup Once)

  1. Tools Windows Server Backup öffnen.
  2. Rechts im Menü: Backup Once… (Einmalige Sicherung). In der Realität würden wir Schedule einrichten, aber jetzt brauchen wir es schnell.
  3. Backup Options: Different options Next.
  4. Backup Configuration: Custom (Benutzerdefiniert).
    • Wir wollen nicht 2 Stunden den ganzen Server sichern, nur den Ordner.
  5. Select Items: Add Items anklicken.
    • Den Ordner C:\CompanyData (den wir für Laufwerk Z: freigegeben haben) finden. Auswählen.
  6. Destination Type: Local drives.
  7. Select Destination: Unser neues Laufwerk B: auswählen.
  8. Backup klicken. Beobachte, wie der Prozentsatz steigt. Wenn “Completed” erscheint, ist die Kopie erstellt.

Schritt 4: Katastrophe (Disaster) 😱

Stelle dir vor, Hans Müller hat versehentlich einen Bericht gelöscht.

  1. In den Ordner C:\CompanyData gehen.
  2. Dort eine Textdatei ImportantReport.txt erstellen.
  3. LÖSCHEN (Shift + Delete). Die Datei ist weg. Der Papierkorb ist leer.

Schritt 5: Wiederherstellung (Recovery) 🦸‍♂️

  1. Zu Windows Server Backup zurückkehren.
  2. Rechts: Recover… (Wiederherstellen).
  3. This server Next.
  4. Datum auswählen (heute) Next.
  5. Recovery Type: Files and folders.
  6. Den Ordnerbaum aufklappen und die gelöschte Datei finden. Auswählen.
  7. Specify Recovery Options: Original location (Ursprünglicher Speicherort).
  8. Recover klicken. Zu Ordner C:\CompanyData gehen. Die Datei ist wieder da?